Häkeln und Stricken

Welche Wolle für was? Kleine Materialkunde zum Thema Wolle

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Welche Wolle für was? (Foto von Nynne Schrøder auf Unsplash)

Diese Situation kennst du sicher auch: Du stehst im Wollgeschäft vor den großen Regalen und wirst schier erschlagen von der riesigen Auswahl an unterschiedlicher Wolle und Garnen. Da fällt die Auswahl wahrlich schwer, vor allem dann, wenn man noch unsicher in der Handhabung der verschiedenen Wollsorten ist. Es stellen sich einem die Fragen: Was ist eigentlich Wolle und was ist Garn, welchen Unterschied gibt es zwischen den jeweiligen Wollarten, welche Wolle verwendet man für welche Projekte und was bedeuten die Begriff auf der Banderole? Der folgende Beitrag gibt dir eine kleine Übersicht zum großen Thema „Wolle“ 🙂

Was ist Wolle?

In der Regel verwenden wir den Begriff Wolle übergreifend für fast alles, was verhäkelt bzw. verstrickt werden kann. So weiß jeder gleich, wovon die Rede ist. Ganz korrekt ist das allerdings nicht. Denn als Wolle bezeichnet man eigentlich die weichen und flauschigen Tierhaare des Fells, die sich unter dem Deckhaar befinden – und das erstmal bei allen Säugetieren mit Fell. Die Wolle, die wir dann im Laden finden und für unsere Strick- und Häkelprojekte verwenden besteht aus den spinnfähigen Tierhaaren hauptsächlich von Schafen, Alpakas, Ziegen oder Angorakaninchen – eben ein echtes Naturprodukt.

Neben der echten Tierhaarwolle gibt es im Handel dann noch zahlreiche andere „Wollarten“ aus pflanzlichen und synthetischen Fasern. Je nach dem aus welchen Fasern die Wolle besteht, bringt sie auch verschiedene Eigenschaften mit sich. In den sogenannten Mischgarnen treffen diese Eigenschaften mehrerer Fasern aufeinander und ermöglichen damit eine andere Art der Verwendung.

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Spinnfähige Tierhaare (Foto von Johnstons of Elgin auf Unsplash)

Eine kurze Geschichte der Wolle

Schafe zählen zu den ältesten Nutztieren. Bereits vor 10.000 Jahren fingen die Menschen an das Schaf, welches ursprünglich vom Mufflon abstammt, zu domestizieren. Während das Mufflon noch sehr wenig Wolle zu bieten hatte, entwickelte sich nach einiger Zeit das Wollschaf. Aufgrund jahrhunderter langer Züchtung veränderte sich die Beschaffenheit der Haare: die langen groben Deckhaare wurden von den immer länger werdenden Unterhaaren überwachsen; der natürliche Fellwechsel fiel irgendwann komplett weg. Seitdem müssen die Schafe regelmäßig geschoren werden.

Bereits 2.000 v. Chr. gehörte die Wolle zu den wichtigsten Textilfasern. Von den vorderasiatischen Entstehungsgebieten breitete sich weltweit die Wolltechnologie immer weiter aus. Mitte des 13. Jahrhunderts entwickelte sich dann in Europa eine erste Wollindustrie mit Spanien als Zentrum. Im Laufe der Zeit etablierte sich auch England als großer Wollproduzent. Ab dem 19. Jahrhundert entwickelte sich die Schafzucht auch in Deutschland als wichtiger Wirtschaftszweig. Durch das Aufkommen der Dampfschiffahrt konnte jedoch aus Australien und Neuseeland günstig Wolle importiert werden, sodass in Deutschland immer weniger Wolle produziert wurde. Die Einführung von Baumwolle und synthetischen Fasern ersetzt bis heute einen Großteil der Wolle.

Was ist der Unterschied von Garn und Wolle?

Garn ist ein übergreifender Sammelbegriff für alle linearen Textilien, die aus einer oder mehreren versponnenen Fasern bestehen. Diese Fasern können tierischer, pflanzlicher oder synthetischer Herkunft sein. Alle zu einem Faden versponnenen Fasern sind also Garn. Der Begriff Wolle hingegen – wie oben bereits erwähnt – bezeichnet lediglich tierische Fasern, die versponnen werden. Es handelt sich also um eine Materialbezeichnung

Welche Wolle bzw. Garne gibt es?

Die Auswahl an Wolle bzw. Garn ist fast unendlich groß. Es gibt Winterwolle, Sommerwolle, Babywolle, Sockenwolle, Mischgarne und noch viele andere Sorten. In der folgenden Auflistung gebe ich dir einen Überblick zu den verschiedenen Wollsorten bzw. Garnarten und teile sie der Einfachheit halber in die drei Kategorien tierische, pflanzliche und synthetische Fasern ein.

Tierische Fasern

Bevor ich zu den tierischen Fasern komme, möchte ich darauf aufmerksam machen, dass das Tierwohl immer im Vordergrund stehen sollte. Leider gibt es bei der folgenden Auflistung überall Fälle von Tierquälerei; sei es das Ausrupfen von Kaninchenhaaren, das Entfernen von Haut ohne Betäubung (Mulesing) oder das gezielte Töten von Seidenraupen. Achte also beim Kauf deiner Wolle oder Mischgarne auf die Herkunft der Fasern oder Händlerinformationen. Wenn du jedoch auf der ganz sicheren Seite sein möchtest, solltest du komplett auf tierische Fasern verzichten, da die Herkunft der Faser häufig nicht zu 100 % nachverfolgt werden kann.

Alpaka

Die Alpaka-Wolle stammt von den in den Anden lebenden Alpaka-Kamelen und gehört zu den hochwertigsten Wollarten auf dem Markt. Da die Wolle aus hohlen Fasern besteht, reguliert sie perfekt die Temperatur und Feuchtigkeit – und das zu jeder Jahreszeit. Denn im Winter speichert die Wolle Wärme und im Sommer die Feuchtigkeit. Des Weiteren ist die Oberflächenstruktur schön glatt, sodass sich die Wolle besonders weich anfühlt und nicht kratzt. Dank dieser besonderen Struktur lässt sich Alpaka-Wolle nicht nur gut und einfach verarbeiten, sondern eignet sich auch perfekt für warme Winterkleidung wie Pullover, Mützen und Schals. Wessen Haut also empfindlich auf Schurwolle reagiert, der ist mit Alpaka-Wolle gut bedient, da sie auch gut für Allergiker geeignet ist.

Angora

Wie die Alpaka-Wolle so gehört auch die Angora-Wolle zu den hochwertigsten Wollarten. Sie wird aus den langen und weichen Haaren des Angorakaninchens hergestellt. Aufgrund der weichen und glatten Oberfläche kratzt Angorawolle nicht und ist somit gut für empfindliche Haut geeignet. Da Angorafasern innen hohl sind, können sie – wie Alpaka-Wolle – Wärme und Feuchtigkeit sehr gut speichern. Beim Verarbeiten von Angora-Wolle solltest du beachten, dass sie zu Beginn stark fusselt; das legt sich nach einiger Zeit – für Babykleidung würde ich die Wolle jedoch nicht empfehlen. Am häufigsten werden Pullover, Strickwesten, Schals und Mützen aus Angora-Wolle gefertigt.

Ein wichtiger Punkt, der an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben sollte, ist die Herkunft der Angora-Wolle. Ursprünglich stammt das Angorakaninchen aus der türkischen Provinz Angora bei Ankara. Mittlerweile kommt der Großteil der Angora-Wolle aus China, wo Tierschutzregeln leider nicht greifen. Den Kaninchen wird hier das Fell ausgerupft anstatt es zu schneiden oder zu scheren – eine Tierquälerei sondergleichen auf die auch die Tierrechtsorganisation PETA bereits mehrfach hingewiesen hat. Beim Kauf von Angora-Wolle solltest du also unbedingt auf die Herkunft der Wolle achten oder ganz auf Angora-Wolle verzichten.

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Angorakaninchen mit ihren chrakteristischen Haaren an den Ohren (Foto von Anil Sharma auf Unsplash)

Kaschmir

Kaschmir ist das sehr weiche Unterhaar der schlappohrigen Kaschmirziege aus der Himalayaregion. Ihre feinen Fasern werden zu einer hochwertigen glänzenden Wolle verarbeitet, die weder kratzt noch fusselt. Produkte aus Kaschmir sind angenehm zu tragen und werden sowohl für Sommer- als auch Winterkleidung verwendet. Da die Wolle der Kaschmirziege nicht schnell und in großen Mengen nachwächst, ist die edle Faser rar und deswegen ziemlich kostenintensiv. Zudem ist Kaschmir in der Pflege recht anspruchsvoll und sollte nur bei starker Verschmutzung gewaschen werden. Du solltest also gut überlegen, welche Projekte du mit Kaschmirwolle herstellen möchtest.

Merino

Merinowolle stammt vom speziell gezüchteten Merinoschaf und gehört definitiv zu den beliebtesten Wollsorten auf dem Markt. Die feinfasrige Schurwolle ist leicht, weich, dehnfähig, temperaturausgleichend, pflegeleicht und kratzt nicht. Ursprünglich wurde das Merinoschaf vor mehreren hundert Jahren ausschließlich in Spanien gezüchtet. Im Laufe der Zeit änderte sich das jedoch und die Merinowolle verbreitete sich weltweit – heute gehören Australien und Neuseeland zu den größten Wollproduzenten für Merinowolle. Da Merinowolle so weich und zart ist, eignent sie sich besonders gut für Babykleidung, Schals, Mützen und Pullover.

Einen richtig kuschligen Schal aus 100 % Merinowolle kannst du beispielsweise im Schachbrettmuster stricken. Ein schönes und weiches Ergebnis bekommst du auch mit dem Mischgarn aus Merinowolle und Polyacryl – damit kannst du beispielsweise einen tollen Loop häkeln oder einen Loop stricken.

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Merionoschafe (Foto von Anders J auf Unsplash)

Exkurs: Was ist Schurwolle?

Wie du bereits erfahren hast, kann Wolle aus den Haaren unterschiedlicher Tiere gesponnen werden. Als reine Schurwolle darf jedoch nur Wolle bezeichnet werden, die ausschließlich durch das Scheren von lebendigen Schafen erworben wurde. Für Schurwolle werden also keine Schafe getötet. Allerdings ist auch die Produktion von Schurwolle nicht ganz unproblematisch – vor allem wenn es um das Thema Mulesing geht: hier werden den Schafen ohne Betäubung Hautstücke im Afterbereich herausgeschnitten, um sie vor Fliegenbefall zu bewahren. Wähle deine Schurwolle also bewusst aus und achte auf eine mulesingfreie Produktion.

Mohair

Mohair gehört zu den leichtesten Textilfasern überhaupt und stammt von der Angoraziege, auch Mohairziege genannt. Das lange weiß-gelockte Haar ist sehr seidig, weich, wasserabweisend, temperaturausgleichend und langlebig. Allerdings ist Mohair sehr pflegeintensiv und teuer. Mohairwolle wird häufig für Kleidung, Kissen, Decken, Polsterbezüge, Teppiche oder Kuscheltiere verwendet. Die meiste Mohairwolle kommt heute aus Südafrika.

Schurwolle

Wie im Exkurs bereits erwähnt, wird Schurwolle ausschließlich durch das Scheren von lebendigen Schafen erworben. Es ist also ein Naturprodukt, welches viele gute Eigenschaften mit sich bringt. So ist reine Schurwolle beispielsweise atmungsaktiv, kompostierbar, langlebig, schmutzabweisend und wärmeisolierend. Aufgrund dieser Eigenschaften wird Schurwolle vielseitig verwendet – Kleidung, Socken und Accessoires – Schurwolle ist der Klassiker unter den Wollarten. Für Menschen mit empfindlicher Haut ist Schurwolle jedoch eher nicht zu empfehlen, da sie sich oft kratzig auf der Haut anfühlt. Zudem solltest du Schurwolle nicht heiß waschen oder in der Waschmaschine schleudern – das macht die Struktur der Wolle kaputt.

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Schafschur (Foto von Reijo Telaranta auf Pixabay)

Seide

Seide wird aus den Kokons der Seidenraupe gewonnen. Am bekanntesten ist die Zuchtseide des Echten Seidenspinners, auch Maulbeerseidenspinner genannt. Die feine aber starke Faser stammt ursprünglich aus China und war eine wichtige Handelsware, die über die nach ihr benannte Seidenstraße nach Europa transportiert wurde. Heute sind neben China, Japan und Indien weitere wichtige Erzeugerländer. Beliebt ist Seide, da sie dehnbar, temperaturregulierend, schmutzabweisend und knitterarm ist. Seide ist häufig in Mischgarnen mit anderen Fasern zu finden. Doch so schön der Seidenglanz auch ist: durch die glatte Oberfläche ist das Garn recht schlüpfrig und dadurch schwierig zu Verarbeiten.

Pflanzliche Fasern

Pflanzliche Fasern sind eine gute Alternative. Vor allem dann, wenn du keine syntetischen Fasern nutzen und komplett auf Tierfasern verzichten möchtest. Aber auch hier ist nicht immer alles Gold was glänzt. So werden beispielsweise häufig riesige Monokulturen von Pflanzen angebaut, Pestizide eingesetzt und Wälder dafür abgeholzt. Oder die natürlichen Planzenfasern werden mit giftigen Chemikalien behandelt (s. zellulosische Kunstfasern) – ein ökologisches Produkt ist es dann natürlich nicht mehr.

Bambus

Bambus ist eine in Asien heimische Pflanze, die schnell wächst, unempfindlich ist und nur wenig bewässert werden muss – also ein unkomplizierter und schnell nachwachsender Rohstoff. Allerdings werden daraus nur selten reine Bambusfasern gewonnen. Vielmehr werden in den meisten Fällen chemische Verfahren eingesetzt, um aus Bambus Viskosefasern herzustellen. Viskose ist eine weiche Faser auf Zellulosebasis und kann auch aus anderen Hölzern hergestellt werden. Dieses Bambus-Viskose-Garn ist fest und stabil, fühlt sich seidig-weich an, ist von Natur aus antibakteriell, atmungsaktiv und hautverträglich.

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Bambuspflanze (Foto von kazuend auf Unsplash)

Baumwolle

Baumwolle ist die beliebteste Faser in der Textilindustrie. Die kleinen Kapseln mit den Baumwollfasern wachsen an Sträuchern, die auf großen Plantagen angebaut werden. Nach dem Pflücken werden sie in Baumwollspinnereien zu Garnen versponnen. Baumwolle ist weich, widerstandsfähig, temperatur- und feuchtigkeitsregulierend, hautfreundlich und pflegeleicht. Nasse Baumwolle hingegen wird schwer und braucht lange, um zu trocknen. Häkel- und Strickprojekte aus 100 % Baumwolle – z. B. Amigurumis, Topflappen, Taschen, Teppiche, Untersetzer oder Wohndeko – werden fest und stabil. Das Maschenbild ist sauber und deutlich zu erkennen.

Was die Ökobilanz betrifft, so steht Baumwolle leider nicht gut da. Auf zahlreichen Monokultur-Plantagen werden vielfach Düngemittel, Pestizide und Insektizide eingesetzt. Zudem benötigt Baumwolle extrem viel Wasser. Das ist weder gut für die Natur noch für uns Menschen. Achte deswegen darauf, möglichst Bio-Baumwolle zu kaufen (Baumwolle aus kontrolliert biologischem Anbau – kbA). Hier kommen keine Schadstoffe zum Einsatz und der Wasserverbrauch ist auch geringer, da hier anders bewässert wird.

Mit Garn aus 100 % Baumwolle kannst du beispielsweise schöne Teelichtdeko häkeln oder für den Tisch bunte Untersetzer häkeln. Auch Topflappen häkeln funktioniert mit 100 %iger Baumwolle sehr gut. Wenn du eine stabile Tasche häkeln möchtest, kannst du ebenfalls auf 100 % Baumwolle zurückgreifen.

Ein besonderes Garn aus Baumwolle (mit geringem Elasthananteil) ist Textilgarn – auch T-Shirt-Garn genannt. Was das genau ist, wie häkeln mit Textilgarn am besten funktioniert und warum du damit unbedingt Körbe häkeln solltest, erfährst du hier auf meinem Blog.

Leinen

Eine weitere pflanzliche Naturfaser ist Leinen. Die Fasern werden aus der Flachspflanze gewonnen und sind sehr stabil und reißfest. Leinen wird gerne für Sommerkleidung und leichte Tücher verwendet, da die Faser feuchtigkeits- und temperaturausgleichend und luftdurchlässig ist. Zudem ist das glatte Leinengarn flusenfrei und schmutzabweisend. Solltest du jedoch Häkel- oder Strickprojekte haben, die sich dehen sollen, dann wäre Leinen nicht die richtige Wahl – es ist fest und besitzt keinen Stretcheffekt.

Hanf

Die Hanfpflanze gehört zu den ältesten Kulturpflanzen. Die widerstandsfähigen Fasern werden aus dem Stängel der Pflanze gewonnen. Unter ökologischen Aspekten ist Hanf nachhaltig und umweltfreundlich, da der Anbau ohne Dünger, Pestizide und mit wenig Wasser auskommt. Für einige DIY-Projekte wie leichte Sommerkleidung oder Accessoires ist Hanfgarn gut geeignet, bringt es doch viele positive Eigenschaften mit: so ist Hanfgarn beispielsweise feuchtigkeits- und tempetraturregulierend, geruchsneutral, hat eine antibakterielle Wirkung, ist gut für empfinfliche Haut geeignet, ist recyclebar und sehr strapazierfähig.

Weitere pflanzliche Fasern

Es gibt noch zahlreiche andere Pflanzen, aus denen Fasern für die Garnproduktion gewonnen werden. So z. B. Kapok, Brennessel oder Lenpur.

Synthetische Fasern

Synthetische Fasern werden künstlich hergestellt: entweder basieren sie auf einem natürlichen pflanzlichen Ausgangsstoff, der dann chemisch behandelt wird (zellulosische Kunstfasern oder halbsynthetische Kunstfaser). Oder sie werden mithilfe eines chemischen Verfahrens aus Erdgas, Erdöl oder Kohle hergestellt (synthetische Kunstfasern). Kunstfasern bringen viele positive Eigenschaften mit sich wie z. B. eine lange Haltbarkeit, Reißfestigkeit, Recyclingfähigkeit und wärmende Eigenschaften. Auch der ökologische Fußabdruck von Synthetikfasern ist kleiner als beispielsweise von konventionell angebauter Baumwolle und deswegen gut vertretbar.

Exkurs: Was ist Zellulose?

Zellulose entsteht bei Pflanzen durch Fotosynthese. Bei diesem Prozess wird durch Sonnenenergie organisches Material aufgebaut. Um die Zellulosefaser aus der Pflanze zu lösen werden beispielsweise Bambus oder Holz zerkleinert und bei hohem Druck mehrere Stunden in Aufschlußchemikalien gekocht. Die Holzbestandteile lösen sich vollständig auf und es bleibt Zellulose zurück.

Lyocell (auch als Tencel bekannt)

Lyocell, im Handel auch als Tencel bekannt, wird aus Eukalyptusbäumen, Eichen, Bambus oder Birken hergestellt, chemisch behandelt und zählt somit zu den zellulosen Kunstfasern. Reines Lyocell ist zu 100 % biologisch abbaubar und kompostierbar. Lyocell ist eine starke, stabile und widerstandsfähige Faser, die sich samtigweich und leicht anfühlt. Sie bringt temperaturregulierende Eigenschaften mit sowie eine gute Feuchtigkeitsaufnahme und Atmungsaktivität. Durch ihr weiche und glatte Oberfläche ist Lyocellgarn auch besten für empfindliche Haut geeignet. Deswegen lassen damit gut Shirts, Pullis, Tops, Cardigans, Babykleidung oder seidig schimmernde Accessoires wie Beutel und Taschen herstellen. Lyocellfasern sind häufig in Mischgarnen zu finden.

Modal

Modal ist eine glatte und leicht glänzende zellulosische Kunstfaser, die durch einen chemischen Prozess aus Buchenholz gewonnen wird. Zu den positiven Eigenschaften gehören eine hohe Elastizität und Strapazierfähigkeit. Zudem ist Modal knitterarm, atmungsaktiv und robust und kann deswegen gut für Kleidung, Mützen, Schals und Accessoires genutzt werden. Aus Modal gestrickte Kleidung behält ihre Form, ist angenehm auf der Haut und – im Gegensatz zu anderen Wollarten – gibt es kein Pillingeffekt. Modal gibt es als sowohl als 100 %-Knäuel als auch als Mischgarn zu kaufen.

Polyacryl (auch nur Acryl genannt)

Polyacryl ist eine synthetische Faser auf Erdölbasis, die wollähnliche Eigenschaften mit sich bringt. Die künstlich hergestellte Chemiefaser ist leicht, weich, stabil, unempfindlich und pflegeleicht. Da sie allerdings kaum Wasser aufnehmen kann, ist die Faser zwar wärmend, aber nicht temperaturregulierend – deswegen schwitzt man leicht in Kleidung aus Polyacryl. Wegen der bauschigen Konsistenz wird Polyacryl gerne auch für Pelzimitationen, Decken, Pullover und Stofftiere verwendet. Aber auch Wohnaccessoires wie Kissen, Decken oder Untersetzen kann man gut aus reinem Polyacryl oder einem Mischgarn fertigen. Polyacryl ist allerdings nicht hitzebeständig. Wenn die Fasern verbrennen entstehen giftige Dämpfe – also nicht zu heiß bügeln oder in den Trockner werfen.

Polyamid

Um Polyamid-Fasern herzustellen, werden Polyamid-Kunststoffkügelchen geschmolzen und zu feinen Fäden gesponnen. Uns ist Polyamid häufig auch als Nylon bekannt. Polyamid ist eine feine, elastische, reißfeste, strapazierfähige und formbeständige Chemiefaser, die häufig in Mischgarnen zu finden ist. Vor allem Sockenwolle wird gerne Polyamid zugefügt.

Ein schönes Mischgarn aus Polyacryl und Polyamid ist beispielsweise das weiche und kuschelige Babygarn von Rico – rico baby classic dk oder rico baby Dream dk – a Luxury Touch. Beide Garne sind sehr gut zu verarbeiten und bleiben formstabil. Mit dem Garn rico baby classic dk kannst du nach meiner Strickanleitung eine schöne Babydecke stricken. Das Garn rico baby Dream dk – a Luxury Touch habe ich für einen kuscheligen Schal für Kinder verwendet.

Polyester

Die synthetisch hergestellte Chemiefaser Polyester wird aus Erdöl hergestellt. Ähnlich wie bei Polyamid, wird Polyestergranulat geschmolzen und daraus Fasern hergestellt. Auch Polyester glänzt mit einigen positiven Eigenschaften: die Faser ist reißfest, formstabil, knitterarm, schmutzabweisend, pflegeleicht und strapazierfähig. Auch kann es bei dickeren Geweben zu einem schlechteren Wärme-Feuchtigkeits-Austausch kommen – man schwitzt leichter und die Feuchtigkeit kann nicht nach außen geleitet werden, wie es bei dünneren Fasern der Fall wäre.

Viskose

Viskose ist eine seidig schimmernde zellulosische Kunstfaser, deren Ursprungsmaterial Holz oder Bambus ist. Beim Häkeln und Stricken eignet sich Viskose besonders gut für Sommerkleidung, da sie eine saugfähige, pflegeleichte und knitterarme Faser ist. Zudem ist Viskose sehr weich und kratzt nicht auf der Haut – perfekt für empfindliche Menschen geeigent.

Welche Wolle für was? Bedeutung der Banderolen

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Welche Wolle für was? Was die Beschriftung der Banderolen bedeutet.

Nach diesem Überblick weißt du nun ein bisschen mehr über die unterschiedlichen Materialen in der Wolle bzw. den Garnen. Aber auf den Banderolen der einzelnen Knäuel stehen immer viele kryptische Begrifflichkeiten wie kontitioniert, mercerisiert, dk oder aran drauf. Doch was bedeutet das eigentlich und wie beeinflusst es meine Woll- bzw. Garnauswahl?

Was bedeutet aran?

Einige Woll- und Garnhersteller nutzen für ihre Banderolen die ursprünglich englischen Garnbezeichnungen. Diese Bezeichnungen hängen mit dem Gewicht und der empfohlenen Nadelstärke von dem Garn zusammen. Steht auf dem Knäuel aran drauf, so handelt es sich um ein Mediumgarn, das etwas dicker und schwerer und dadurch robust und formstabil ist. Die für dieses Garn empfohlene Nadelstärke liegt zwischen 4.5 – 6,0. Ergänzt mit der Angabe zur Maschenprobe, die ebenfalls auf der Banderole zu finden ist, hast du alle Informationen, die du zum Garn benötigst.

Was bedeutet chunky?

Chunky bedeutet übersetzt „grob“ oder „dick“. Dabei handelt es sich also um Garne mit ganz besonders dicken Stärken. Bis Nadelstärke 15 können diese chulky-Garne gehen. Alles weitere – häufig mit super super chunky oder bulky gekennzeichnet – wird dann jedoch mit der Hand verarbeitet. Chulky-Garne können im Mischgarnen aus verschiedenen Fasern zusammengesetzt sein.

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Chunky/Bulky Wolle (Foto von Seyi Ariyo auf Unsplash)

Was bedeutet dk?

dk steht als Abkürzung für Double Knit und wird manchmal auch 8-Ply oder Light worsted gennant. Dabei handelt es sich – wie bei aran – um eine ursprünglich englische Garnbezeichnung. dk-Knäuel sind leichte, dünne Garne von ungefähr 50 Gramm pro Knäuel. Dieses Garn eignet sich beispielsweise sehr gut für Sommerkleidung, Kinderkleidung, Mützen, Handschuhe und Accessoires. Die für dieses Garn empfohlene Nadelstärke liegt zwischen 3,75 bis 4,5.

Was bedeutet gasiert?

Das Gasieren, Abflämmen oder Sengen ist ein industrielles Veredelungsverfahren bei dem die überstehenden Faserenden aus den Garnen beseitigt werden. Dadurch erhält das Garn eine feine, glatte und elegante Optik.

Was bedeutet konditioniert?

Wolle ist für ihre temperaturausgleichenden Eigenschaften bekannt und kann viel Feuchtigkeit aufnehmen ohne sich nass anzufühlen. Ist die Umgebung trocken, so wird die aufgenommene Feuchtigkeit wieder abgegeben. Das ist auch der Grund, warum ein Wollknäuel manchmal nicht exakt 50 oder 100 g wiegt, sondern etwas mehr oder weniger. Da also das Gewicht des Knäuels je nach Feuchtigkeitsgehalt schwanken kann, findest du bei der Mengenangabe häufig den Zusatz konditioniert. Das bedeutet, das Garn verfügt über einen einheitlichen Feuchtigkeitsgehalt innerhalb der Faser.

Was bedeutet mercerisiert?

Die Mercerisation ist ein chemisches Veredlungsverfahren für Baumwolle, welches im 19. Jahrhundert von John Mercer erfunden wurde. Bei diesem Prozess erhält die Baumwollfaser unter Zugspannung in kalter konzentrierter Natronlauge eine neue Faserstruktur. Das erhöht zum einen die Qualität der Faser und gibt ihr auch ihren Glanz zurück und zum anderen verkürzt die Mercerisation die Länge der Baumwollfasern. Das widerum erhöht die Reißfestigkeit und Formbeständigkeit. Da das Veredelungsverfahren recht aufwendig und kostspielig ist, sind auch die Knäuel aus mercerisierter Baumwolle teurer.

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Das mercerisierte Baumwollgarn „Mille Fili“

Was bedeutet superwash?

Steht auf der Banderole superwash drauf, so handelt es sich um Wolle mit glatter Oberfläche, die für die Maschinenwäsche bei höheren Temperaturen geeignet ist. Denn normalerweise werden bei Wolle die Fasern unter hoher Temperaturen zerstört, daher geht Wolle in der Waschmaschine häufig ein. Bei dem Veredelungsverfahrungen für superwash-Wolle wurden die überstehenden Wollfasern mit einem Säurebad und Chlor entfernt und anschließend mit einer Schicht aus Polymer überzogen. Diese schützt die Fasern davor zu verfilzen und beim Waschen einzugehen. Wolle mit der Kennzeichnung superwash kann also bis zu 40 Grad gewaschen werden und eignet sich somit für Strick- und Häkelprojekt wie Kleidung.

Was bedeutet tweed?

Tweedgarne imitieren den rustikalen Look des typisch britischen Tweedstoffs. Sie bestehen klassisch aus Wolle, sind aber häufig auch als Mischgarnen auf dem Markt zu finden. Charakteristisch sind die bunten Noppen auf dem Faden – das erzeugt beim fertigen Produkt einen Sprenkel-Effekt.

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Ich hoffe, meine Übersicht zum Thema Wolle hat dir Spaß gemacht und weitergeholfen 🙂

Liebe Grüße

Einen Überblick über alle meine DIY-Anleitungen, Stickdateien und Zählvorlagen fürs Sticken findest du unter DIY-Anleitungen und Stickdateien auf meinem Blog.

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