Häkeln und Stricken

Maschenprobe stricken – wichtig oder unnötiger Zeitfresser?

Maschenprobe stricken | Blgbeitrag | Kreativblog myneedleworks
Maschenprobe stricken leicht gemacht.

Maschenprobe stricken – allein dieses Wort löst bei vielen Strickerinnen und Strickern schon ein leises Seufzen aus. Dabei ist sie weder der Spaßverderber unter den Strickschritten noch reine Zeitverschwendung, sondern eher so etwas wie die beste Freundin deines Strickprojekts. Eine Freundin, die ehrlich sagt, ob dein geplanter Pullover später wirklich passt – oder ob er am Ende ganz hinten im Schrank landet.

Ob Anfänger*in oder erfahrene Vielstrickerin: Wir alle kennen diesen Moment, in dem man am liebsten sofort loslegen möchte. Garn ist gekauft, Nadeln sind griffbereit, die Idee im Kopf ist perfekt. Und genau da kommt das Maschenprobe stricken ins Spiel. Sie kostet dich zwar etwas Zeit, erspart dir aber im Gegenzug Frust, Garnverschwendung und den berühmten Satz: „Das sah in der Anleitung irgendwie anders aus …“.

In diesem Blogbeitrag zeige ich dir ganz praxisnah, warum das Maschenprobe stricken so wichtig ist, wie du sie richtig machst und warum dieses kleine Probestück am Ende darüber entscheidet, ob dein Strickprojekt zum Lieblingsstück wird – oder eben nicht. Am Ende des Beitrags kannst du dir noch kostenfrei eine Checkliste plus Eitkettenvorlage für deinen perfekte Maschenprobe runterladen 🙂

Was ist eigentlich eine Maschenprobe?

Kurz gesagt: Eine Maschenprobe ist ein kleines Probestück, das du vor deinem eigentlichen Strickprojekt strickst. Ziel ist es herausfinden, wie fest oder locker du mit dem ausgewälten Garn strickst, wie sich dein Strickmuster mit dem Garn verhält und wie du die Maschenprobe eventuell an dein Strickprojekt anpassen musst. Dieses kleine Probestück entscheidet letztendlich darüber, ob dein zukünftiges Projekt (z. B. bei Kleidungsstücken) auch wirklich passt. Denn stell dir mal vor, du planst einen schönen Pullover und merkst nach nach der Hälfte: „Ups, irgendwie passt das nicht.“ Ärgerlich, oder?

Welche Wolle für was? | Blogbeitrag | Kreativblog myneedleworks

LESETIPP: Du möchtest wissen, welche Garne du für dein Strickprojekt verwenden kannst, dann lies dir gerne dazu meinen Blogbeitrag „Welche Wolle für was?“ durch 🙂

Warum solltest du eine Maschenprobe stricken?


Jede*r von uns strickt ein kleines bisschen anders – selbst mit der gleichen Wolle und der gleichen Nadelstärke kommen unterschiedliche Maschen- und Reihenzahlen raus. Manche haben eine eher „feste Hand“, andere stricken die Maschen lockerer – und das beeinflusst, wie groß am Ende dein Strickteil wird. Eine Maschenprobe zeigt dir ganz genau, wie viele Maschen und Reihen du brauchst, damit dein geplantes Strickstück in der richtigen Größe rauskommt. Wenn du also zu fest strickst, kann dein Pullover am Ende viel zu klein sein. Strickst du zu locker, kann dein Pullover schnell unförmige Abmessungen bekommen. Und das willst du sicher nicht.

Wie groß sollte eine Maschenprobe sein?

Offiziell heißt es oft: 10×10 cm reichen völlig aus. Und ja – messen tust du am Ende auch genau diese Fläche. Aber aus der Praxis kann ich dir sagen: Eine Maschenprobe sollte immer etwas größer sein. Denn je größer dein Probestück, desto genauer wird dein Messergebnis.

Warum? Die Randmaschen verfälschen das Ergebnis. Sie sind oft lockerer, ungleichmäßiger oder rollen sich ein – ganz egal, wie ordentlich du strickst. Wenn du also nur exakt 10×10 cm strickst, misst du zwangsläufig auch Randbereiche mit, und das Ergebnis wird ungenau. Besser ist es, etwa 12×12 cm oder sogar 14×14 cm zu stricken und später nur die mittleren 10 cm auszumessen.

Gerade bei Strukturmustern, Zöpfen oder Rippen ist eine größere Maschenprobe Gold wert. Diese Muster „arbeiten“ stärker, ziehen sich zusammen oder gehen nach dem Waschen auf. Eine zu kleine Maschenprobe kann hier schnell falsche Werte liefern – und dein Pulli wächst später munter in alle Richtungen, nur nicht in die gewünschte.

Schritt-für-Schritt-Anleitung: Wie mache ich eine Maschenprobe?

1. Vorbereitung

Schau dir die Anleitung deines Strickprojekts genau an – wie viele Maschen bzw. Reihen werden dort für 10 cm angegeben? Leg dir dein ausgewähltes Garn und ein Maßband/Lineal bereit. Schau dann auf die Banderole deines Garns – dort steht in der Regel eine empfohlene Maschenprobe (z. B. 22 Maschen × 28 Reihen = 10 cm) und welche Nadelstärke dafür vorgeschlagen wird.

2. Maschen anschlagen

Schlag nun genügend Maschen an – etwas mehr als für 10 cm benötigt werden, damit du sauber messen kannst. Als Maschenanschlag kannst du beispielsweise den Kreuzanschlag verwenden. Orientiere dich an der Maschenzahl, die auf der Banderole genannt wird plus etwa 10-15 Maschen.

Maschenprobe stricken | Blgbeitrag | Kreativblog myneedleworks
Stricke die Maschenprobe immer so, wie du auch dein Projekt später auf der Couch strickst. So verfälscht sich deine Maschenprobe nicht.

3. Stricken

Stricke nun dein kleines Quadrat im Muster, das du auch im fertigen Projekt verwenden wirst (z. B. glatt rechts, Rippen oder ein Zopfmuster) bis du ca. 12-14 cm Höhe erreicht hast.

Praktischer Tipp: Stricke an den Rändern am besten ein paar Reihen/Maschen kraus rechts (also immer rechte Maschen), damit der Rand sich später nicht einrollt. In meiner Maschenprobe habe ich die ersten 4 Reihen kraus rechts gestrickt, dann die ersten und letzten 4 Maschen immer rechts und die abschließenden 4 Reihen wieder kraus rechts – so entsteht eine Art Rahmen um deine Maschenprobe.

Maschenprobe stricken | Blgbeitrag | Kreativblog myneedleworks
Die 4 Randmaschen und die ersten 4 Reihen sind rechts gestrickt. In der Mitte habe ich glatt rechts gestrickt.
Stricken lernen: rechte und linke Maschen stricken | Kreativblog myneedleworks

LESETIPP: Wenn du erfahren möchtest wie du rechte und linke Maschen stricken kannst, dann lies gerne meinen Blogbeitrag dazu durch.

4. Abketten und Waschen

Kette dein Probestück locker ab und – jetzt kommt ein Punkt, den viele unterschätzen – wasche deine Maschenprobe genauso, wie du es beim fertigen Kleidungsstück machen würdest. Warum? Weil sich Fasern beim Waschen verändern. Besonders Naturfasern wie Wolle „entspannen“ sich und können in Länge und Breite abweichen. Flach trocknen, nicht ziehen oder hängen lassen – dann bekommst du ein auswertbares Ergebnis. Ich fixiere meine Maschenprobe immer mit Stecknadeln, ziehe diese aber NICHT übermäßig in Form.

Maschenprobe stricken | Blgbeitrag | Kreativblog myneedleworks
Die gewaschene, nasse Maschenprobe lege ich flach hin und stecke sie mit Stechnadeln – ohne sie in Form zu ziehen – an den Ecken fest und lasse sie so trocknen.

Maschenprobe ausmessen – aber richtig!

Jetzt kommt die Messkunst: Leg deine Maschenprobe flach auf den Tisch und … :

  • … stecke dir z. B. mit Stricknadeln eine Fläche von 10×10 cm ab oder verwende einen Zählrahmen.
  • … miss horizontal 10 cm und zähle die Maschen dazwischen.
  • … miss vertikal 10 cm und zähle die Reihen.
  • … notier dir beide Werte in deinem Strick-Notizbuch oder auf einem Zettel.
Maschenprobe stricken | Blgbeitrag | Kreativblog myneedleworks
Eine Fläche von 10 x 10 cm mit Stecknadeln markieren oder…
Maschenprobe stricken | Blgbeitrag | Kreativblog myneedleworks
…einen praktischen Zählrahmen auf die Maschenprobe platzieren und die Maschen so aiszählen.

Bei meiner Maschenprobe, die du hier auf dem Bild sehen kannst, sind es auf 10 cm x 10 cm 18 Maschen in der Breite und 25 Maschen/Reihen in die Höhe.

Was tun, wenn die Maschenprobe nicht passt?

Das kann passieren! Deine Handspannung, die Art wie du das Garn hältst und sogar das Material der Nadel beeinflussen das Ergebnis. Was kannst du also tun, wenn du mehr oder weniger Maschen oder Reihen pro 10 cm hast als in deiner Strickanleitung angegeben?

Zu viele Maschen pro 10 cm → Du strickst zu fest → größere Nadeln ausprobieren.
Zu wenige Maschen → Du strickst zu locker → kleinere Nadeln ausprobieren.

Solltest du die Nadelstärke angepasst haben, ist es empfehlenswert eine neue Maschenprobe zu stricken und diese ebenfalls zu waschen. So stellst du sicher, dass sie den Vorgaben deiner Anleitung entspricht.

In meiner Anleitung (s. Bild oben) wurden für 10 cm x 10 cm 19 Maschen in der Breite und 25 Maschen/Reihen in der Höhe vorgegeben. Das heißt ich bin mit meinen 18 Maschen und 25 Reihen schon sehr nah dran 🙂 In diesem Fall würde ich also meine Nadelstärke von 5,0 auf 4,5 reduzieren und die Maschenprobe nochmal stricken.

Maschenprobe stricken | Blgbeitrag | Kreativblog myneedleworks
Es ist immer gut, Stricknadeln in unterschiedlichen Stärken vorrätig zu haben 🙂

Was aber tun, wenn deine Maschenprobe zwar in der Breite passt, aber nicht in der Höhe? Du hast also zum Beispiel genau die richtige Maschenzahl pro 10 cm, strickst aber mehr oder weniger Reihen als in der Anleitung angegeben.

Ein typisches Beispiel aus der Praxis:
In der Anleitung steht: 28 Reihen = 10 cm
Deine Maschenprobe ergibt aber: 30 Reihen = 10 cm

Das heißt: Du strickst etwas kürzere Reihen als die Designerin der Anleitung. Würdest du nun für dein Projekt die Reihen einfach blind mitzählen, würde dein Pulli am Ende zu kurz werden. An dieser Stelle musst du also deine MAschenprobe anpassen und Reihen umrechnen.

Warum ist Reihen umrechnen wichtig?

Viele Strickanleitungen geben Längen in Reihen an (z: B. „stricke 40 Reihen“), nicht in Zentimetern. Wenn deine Reihenzahl von der Anleitung abweicht, stimmt die Länge deines Strickstücks am Ende nicht – auch wenn die Breite perfekt passt.

Wie rechne ich Reihen um?

Du rechnest die Reihen auf Zentimeter um und strickst nach Maß statt nach Reihen.

Beispiel:

  • Deine Maschenprobe hat 30 Reihen = 10 cm
  • Das bedeutet: 3 Reihen = 1 cm

Soll dein Strickstück laut Anleitung 20 cm hoch werden, strickst du:
→ 20 × 3 = 60 Reihen

So bekommst du genau die gewünschte Länge – unabhängig davon, wie viele Reihen in der Anleitung stehen.

Wann solltest du Reihen umrechnen?

  • Wenn Maschenzahl stimmt, aber die Reihenzahl nicht
  • Bei Pullovern, Jacken, Ärmeln oder Röcken
  • Immer dann, wenn in der Anleitung Längen in Reihen angegeben sind

Kleiner Merksatz zum Maschenprobe stricken:

Die Breite wird über Maschen bestimmt, die Höhe über Zentimeter.

Vorlage für deine Maschenprobe-Notizen

So unscheinbar sie wirken – Notizen zur Maschenprobe sind echte Gedächtnisstützen. Denn Hand aufs Herz: Erinnerst du dich in drei Monaten noch, mit welcher Nadelstärke, welchem Garn und welcher Maschenzahl dein Lieblingspulli entstanden ist? Genau hier helfen ein paar kurze Notizen. Sie ersparen dir späteres Rätselraten, machen zukünftige Projekte deutlich einfacher und sind besonders dann Gold wert, wenn du ein Strickstück noch einmal nacharbeiten oder wiederholen möchtest.

  • Beschrifte deine Probe: Schreib Garn, Nadelstärke, Maschen-/Reihenzahl und Datum direkt auf ein kleines Schildchen und stecke es an dein Strickstück.
  • Heb deine Maschenproben auf – du wirst überrascht sein, wie oft du später darin blätterst!
  • Mach beim nächsten Projekt wieder eine – auch wenn du deinen Strickstil kennst, jedes Garn verhält sich anders.

Maschenprobe stricken – Notizzettel

  • Projekt: __________________________
  • Garn: _____________________________
  • Lauflänge / Zusammensetzung: ______
  • Nadelstärke: ______________________
  • Muster: ___________________________

Maschenprobe nach dem Waschen:

  • ____ Maschen = 10 cm
  • ____ Reihen = 10 cm

Anpassung nötig?
☐ Nein – passt perfekt
☐ Größere Nadel
☐ Kleinere Nadel

Datum: ________

Maschenprobe stricken | Blgbeitrag | Kreativblog myneedleworks

Abschließender Praxis-Mutmacher

Ich versichere dir, am Ende spart dir eine gut gemachte Maschenprobe Zeit, Garn und Nerven. Sie verhindert Überraschungen im fertigen Strickstück und sorgt dafür, dass dein kreatives Werk genau so wird, wie du es dir vorgestellt hast – ob Pulli, Jacke, Schal oder Accessoire. Maschenprobe stricken ist also kein Zeichen von Unsicherheit, sondern von Erfahrung. Je länger man strickt, desto mehr weiß man: Diese 30 Minuten entscheiden über Wochen Strickfreude oder Strickfrust.

Mach dir die Mühe – es lohnt sich mehr als du denkst 🙂

Maschenprobe stricken: kostenfreie Checkliste und Etikettenvorlage zum Download

Damit du beim Maschenprobe stricken nichts vergisst und entspannt starten kannst, habe ich für dich eine kostenlose Checkliste zum Abhaken plus Etikettenvorlage erstellt. Die Vorlagen begleiten dich Schritt für Schritt – von der Vorbereitung über das Stricken bis hin zum Waschen, Ausmessen und Beschriften deiner Maschenprobe. So hast du alles im Blick und kannst sicher sein, dass deine Maschenprobe wirklich gelingt und aussagekräftig ist.

Du kannst dir die Checkliste ganz bequem herunterladen, ausdrucken oder digital nutzen – perfekt für dein nächstes Strickprojekt:

Merke dir den Pin zu „Maschenprobe stricken“ auf Pinterest:

Maschenprobe stricken | Blgbeitrag | Kreativblog myneedleworks | Pinterest

Ich wünsche dir ganz viel Spaß beim Maschenprobe stricken!

Liebe Grüße

Unterschrift | Gabi | Kreativblog myneedleworks

Einen Überblick über alle meine DIY-Anleitungen, Stickdateien und Zählvorlagen fürs Sticken findest du unter DIY-Anleitungen und Stickdateien auf meinem Blog.

Folge myneedleworks auf Facebook, Instagram oder Pinterest und schicke mir Fotos von deinen angefertigten Werken oder anderen Projekten, die du nach meinen E-Books/Dateien angefertigt hast. Ich freue mich darauf sie zu teilen!

Oder teile die Projekte selbst auf deinen Social Media-Kanälen und nutze den Hashtag #creativitybymyneedleworks und zeige so der Community dein Werk 🙂

Das könnte dir vielleicht auch gefallen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert